Worried Man & Worried Boy – Debütalbum | FAUX FOX Magazine

Worried Man & Worried Boy – Debütalbum

27.02.15
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Die Vater-Sohn-Beziehung war schon immer eine spezielle. Oft geglückt, oft gescheitert, aber nie ganz wegzudenken, kann ein derartiges Männerbündnis höchst unterschiedlich verlaufen. Im schlimmsten Fall kommt es zum Kontaktabbruch, im besten Fall zu einer Bandgründung, wie es bei Worried Man & Worried Boy im Herbst 2014 eingetreten ist. Hier prallen zwei Generationen der österreichischen Musikszene mit lautem Scheppern aufeinander: Herbert und Sebastian Janata, Vater und Sohn, Worried Men Skiffle Group und Ja, Panik, Punk und Skiffle, Berlin und Wien. Ergebnis des Zusammenknalls ist das heute (27.2) erschienene, selbstbetitelte Debütalbum. Ich habe die Janatas auf eine Melange im Café Drechsler getroffen und mit ihnen über Familienprojekte, den schönsten Mann von Wien, Western und ihr Album gesprochen.

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Alexius: Jeder von euch hat ja seine eigene musikalische Vorgeschichte. Wie kam das Vater-Sohn-Projekt Worried Man & Worried Boy ins Rollen?

Herbert: Letztes Jahr im Sommer haben wir, die Worried Men Skiffle Group, nach 54 Jahren den Entschluss gefasst, aufzuhören. Eine Gruppe, die in erster Linie musiziert hat, um selbst Spaß daran zu haben. Klar waren wir zeitweise auch sehr erfolgreich damit, das Singen im Wiener Dialekt hat eine regelrechte Welle ausgelöst. Freude blieb aber der wichtigste Faktor. Dieser verlor leider mehr und mehr an Qualität, wir gelangten an den Punkt, wo wir nur noch das spielen sollten, was andere hören wollten. Das war gegen unsere Prinzipien und wir fassten den Entschluss, aufzuhören. Sebastian und ich haben aber vorher schon Musik gemacht, das eine hat mit dem anderen also nichts zu tun.

Alexius: Achso. Ja und wie kam es dazu bzw. wie entstand die Idee, alte Lieder vom Papa in ein neues Licht zu rücken?

Sebastian: Das war eigentlich recht banal. Eine Freundin hat einen Schneiderei-Laden und fragte mich eines Tages, ob mein Vater und ich dort auftreten möchten. Das taten wir und es war ganz gut. Natürlich hat mich Skiffle auch immer sehr interessiert und auch an die Punk-Haltung erinnert. 2 Akkorde reichen meist für ein Lied, es wird schlampig gespielt, Musik für arme Leute eben. Ich wollte Skiffle spielen, wusste zuerst aber nicht, mit wem. Dann kam die Idee, es mit meinem Vater auszuprobieren.

Alexius: Tja, das Gute liegt ja oft so nah. Wie fühlt sich so ein Familienprojekt denn an, Vor- und Nachteile?

Herbert: Unsere Vater-Sohn-Beziehung hat schon immer sehr gut funktioniert. Kleine Streitereien gehören dazu, in der Musik sind sie sogar gesund, man lebt den Streit gleich aus, das befruchtet den musikalischen Schaffensprozess. Das gemeinsame Musizieren hat einfach Spaß gemacht. Wir haben auch viele gleiche Interessen. Mein Sohnemann kann aber ruhig mehr einbringen als ich, ich bin verbrauchter und die Jugend muss antauchen.

Alexius: Sebastian, hat dich dein Vater, was die Musik betrifft, beeinflusst?

Sebastian: Nicht immer, glaube ich. Ich war halt bei den Konzerten dabei und fand es lustig. Faszination war schon da. Ich habe dann aus Neugierde heraus selbst versucht, Instrumente zu spielen, Schlagzeug und Gitarre. Zu merken, dass Musik genau mein Ding ist und mir am meisten Freude bereitet, war allerdings ein schleichender Vorgang.

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© Jaqueline Ehrhart

Alexius: Gibt es bei euch musikalische Überschneidungen bzw. Gegensätze? Oder gar musikalische Tabus?

Herbert: Bei mir gibt es keine Tabus. Spaß und emotioneller Ausdruck waren halt immer die Hauptsache für mich. Akkorde finden, die einfach gut passen, es musste nicht perfekt klingen. Das lerne ich jetzt aber vom Sohn.

Sebastian: Oder eben auch, dass die Gitarre verzerrt sein darf.

Herbert: Stimmt. Das war früher keine richtige Musik für mich. Ich komme ja eigentlich vom New Orleans Jazz und fand damals die elektronische Gitarre scheußlich. Ich hab lange gebraucht, um zu verstehen, dass Freude und Herzblut die wichtigsten Faktoren des Musizierens sind.

Alexius: Gibt es eine gemeinsame Lieblings-Musikrichtung?

Herbert: Bob Dylan.

Sebastian: Stimmt. Ich bin auch großer Jazz Fan, weniger New Orleans, dafür eher die abgespaceten Sachen. Und Skiffle eben.

Herbert: Ich bin über das Banjo zum Skiffle gekommen. Ich habe damals eine Platte gesehen, wo ein Banjo am Cover abgebildet war. Die habe ich dann sofort gekauft und bin hängengeblieben. Schwierig war es dann eher, Leute zu finden, die Skiffle spielen wollen.

Alexius: Ich wäre bestimmt dabei gewesen, Skiffle ist ja das neue Schwarz. Apropos: Warum kommt es eigentlich im Moment wieder zu einer Wiederbelebung der Wiener-Dialekt-Welle?

Sebastian: Ich sehe das eher als österreichische Welle. Der Nino und Wanda singen meist auch auf hochdeutsch, hier und da haben sie auch etwas Gschertes drinnen. Die Welle ist vielleicht ein Zufall, weil Hits wie Maschin (Bilderbuch) oder Bologna (Wanda) übergeschwappt sind nach Deutschland und plötzlich fällt wieder Licht auf die Szene. Man schaut und hört wieder hin nach Wien.

Herbert: Bei uns war der Dialekt sogar eine Zeit lang verpönt. Doch wenn etwas länger weg ist, wächst das Interesse wieder. Für uns und unsere Musik ein wahrer Glücksfall, dass dieses Interesse gerade wieder da ist.

Alexius: Noch mal kurz zum Schwarz. Habt ihr euch beide schon immer gerne so angezogen oder ist das jetzt euer gemeinsames Erscheinungsbild, sprich Bandoutfit?

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Herbert: Ich war meistens in schwarz anzutreffen. Bei den Worried Men noch mit Frack und Zylinder.

Sebastian: Schwarz passt immer.

Alexius: In Berlin sowieso. Dort lebst du ja jetzt schon länger, Sebastian. Was gibt es, grob gesagt, für Unterschiede in puncto Musik zwischen Berlin und Wien?

Sebastian: Ich habe gar nicht mehr so den Einblick in Wien. In Berlin existiert halt einfach mehr Infrastruktur für Musiker, ich habe schon von Freunden gehört, dass es in Wien problematisch sein kann, einen Bus für die Tour zu mieten. Und man weiß oft nicht, wo man spielen soll, die Auswahl ist kompakter. Aber eh klar, Wien ist auch kleiner.

Alexius: Und was sagen die Jungs von Ja, Panik zu eurem Projekt?

Sebastian: Stefan und Andreas wollen sogar eine Nebenveröffentlichung auf unserem Label Nein Gelassenheit, die finden es also gut. Wir wollen auch eine Sommer Single aufnehmen, mit Ja, Panik als Backup Band vom Herbert.

Alexius: Welche Einflüsse hat Ja, Panik auf Worried Man & Worried Boy?

Sebastian: Naja, mich halt. Meine Art zu spielen, die bei Ja, Panik nicht das Vordergründigste ist. Den Großteil vom Arrangement auf der Platte nehme ich ein und die Songs kommen von meinem Vater.

Herbert: Der Song Konzert ist aber von dir. Und viele Ideen fließen ein, wir verändern und modernisieren manche Texte. Geplant ist auch, gemeinsame, neue Nummern zu machen.

Alexius: Und wie ist eure Herangehensweise?

Herbert: Der Song Konzert entstand, als wir beide wild miteinander musiziert haben.

Sebastian: Bei den anderen Liedern gab es Vorlagen und man wusste ungefähr, in welche Richtung es gehen sollte.

Alexius: Sind die Texte noch aktuell bzw. welche Themen werden behandelt?

Herbert: Das ist ganz simpel, wenn mich was bewegt und ich den richtigen Tritt bekomme, kann ich was daraus machen. Jetzt kommt der Tritt vom Sohnemann. Ich spiele einfach gerne alte Sachen und brauche den Druck, um neue Sachen anzugehen. Bei Ja, Panik gibt es ein Konzept, da steht eine Philosophie dahinter, Poppoesie mit Tiefgang. Andreas Spechtl ist einfach ein Textgenie, die Musik wird hier zur Aussage gemacht. Bei mir war das alles egal, es war mehr ein Zufallsprinzip als ein Konzept.

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Albumcover

Alexius: Ich verstehe. Kommen wir zum Album.

Sebastian: Die Vorproduktion geschah in Berlin am Computer, aufgenommen haben wir das Ganze dann in Oslip in der Cselley Mühle. Thomas Pronai hat dort sein vollanaloges Tonstudio. Die Aufnahmen gingen echt flott, natürlich auch immer eine Budgetfrage. Das analoge Arbeiten war super, ein kreatives Eingreifen in die Musik. Und es gab keine Schneideeinrichtungen, bei Fehlern musste man alles von vorne spielen. Deshalb hab ich alles ein wenig vereinfacht, um auf Nummer sicher zu gehen.Es rauscht auch sehr viel und ist sehr laut. Das finden wir gut.

Alexius: So wie beim Song „Der schönste Mann von Wien“ Aber wer ist jetzt der schönste Mann von Wien? Der Nino etwa?

Herbert: Jeder, der sich fühlt als solcher, ist es auch. Das ist unsere Einstellung, obwohl es in Wien ja eigentlich ganz anders ausschaut.

Sebastian: Ich kannte Nino schon ein bisschen und wollte gern einen Gastsänger auf dem Album haben. Lana Del Rey hatte keine Zeit, der Nino aus Wien aber schon. Seine Art und Stimme passt einfach gut zum Lied, er hat sich den Titel wahrlich ersungen. Das ist sein Song.

Alexius: Eine Frage an euch Großstadtcowboys – Was sind die besten Westernfilme?

Sebastian: Dead Man.

Herbert: Spiel mir das Lied vom Tod. Wegen der schönen Mundharmonika.

Alexius: Da hast du recht. Und wie geht’s jetzt weiter mit euch?

Sebastian: Unsere Albumpräsentation ist am 17.3 in der Kulisse (Hernals), danach werden wir ein bisschen touren und Konzerte geben.

Alexius: Alles möglich neben Ja, Panik?

Sebastian: Die Albumproduktion war jetzt die meiste Arbeit. Wenn kein Release ist, bleibt aber genug Platz.

Alexius: Ist es noch ein Projekt für euch oder schon mehr?

Herbert: Für mich ist es alles, ich bin rund um die Uhr damit beschäftigt, übe täglich 2-3 Stunden, dass mein Sohnemann mit mir zufrieden ist.

Sebastian: Es ist wie ein Schneeball, der ins Rollen gekommen ist. Wir schauen einfach, was passiert. Es ist ein Herzensprojekt, hinter dem kein großes Konzept steht.

Alexius: Abschließendes?

Herbert: Es war sehr schön, es hat uns sehr gefreut.

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© Jaqueline Ehrhart

Ich bedanke mich herzlichst für das schöne Gespräch. Auf dem Heimweg hol ich mir jetzt noch schnell eure CD.

Und ihr könnt das auch tun.

Zum Beispiel auf I-Tunes oder Amazon. Und ab heute natürlich auch im Musikladen eures Vertrauens.

Die Releaseshow des Debütalbums gibt es übrigens am 17.3 in der Kulisse Wien. Am 19.3 kann man die Janatas zusätzlich im Milla Club in München und am 20.3 im Rockhouse in Salzburg bewundern.

Ihr wollt mehr von Worried Man & Worried Boy erfahren und immer up to date bleiben? HIER entlang.

 

Redakteur: Alexius Ivo Baldissera

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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