/slash filmfestival 2012 – pt. 01 | FAUX FOX Magazine

/slash filmfestival 2012 – pt. 01

29.09.12
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Literweise Blut, tütenweise gebrannte Aschanti und ganz viele Filme. 
Ein Filmfestival, zwei rezensierende Filmfestivalbesucher, drei Festivalfilme.

Vor einigen Tagen feierte unsere liebe Mariella Morgana ihren Geburtstag in privatem Rahmen und unser PR-Boy Martin, unser Kolumnist Michael und ich hatten Spaß mit Lychee-Vodka, angenehmer Gesellschaft und ganz besonders schlechter Musik. Kurz nach Mitternacht hieß es allerdings schon Abschiednehmen, denn uns stand noch eine lange Nacht bevor:
Das /slash filmfestival tagt wieder in Wien und wir waren eingeladen, uns das nächtliche Double-Feature “Inbred/Rites of Spring” anzusehen. Da unser Filmexperte Kris, den wir Angsthasen zu solchen Anlässen lieber alleine hinschicken, an diesem Abend verhindert war (warum eigentlich nochmal?) gaben wir uns also persönlich die Ehre. Leicht angeheitert von Mariellas Geburtstagsdrinks und mit einem etwas flauen Gefühl im Magen stiegen wir also ins nächstbeste Taxi in Richtung Filmcasino.
Dort angekommen deckten wir uns mit fancy Snacks (Gebrannte Aschanti, Kelly’s Popcorn in besonders laut raschelnden Tüten und warmen Panini von Paninoteca) und hippen Drinks (Fritz Cola) ein und setzten uns gespannt auf unsere Plätze in einem wirklich supernetten Vintage-Kinosaal, der sich alsbald mit anderen Gruselkinofans füllte.
“Aschanti? Ist das nicht diese Sängerin?”
Inbred/Rites of Spring

Ein etwas schüchtern und ungeschickt wirkender junger Mann kündigte den ersten Film an und wechselte dann noch einige Worte mit einem nicht minder verlegen wirkenden anderen Mann, der als “Einer der Produzenten.” vorgestellt wurde. Danach folgte ein Vorfilm (nennt man das so?), der außer einer Viertelstunde Langeweile und wohl gewollter, aber nicht gekonnter Ironie auf alte, amerikanische Monster-/Horrorfilme nicht wirklich viel zu bieten hatte.

luv teh outfitz!!!1!111 xoxo
Darauf folge dann endlich Inbred, der für uns unbestritten das Highlight dieser Nacht darstellte. Die Geschichte ist alt (Reisegruppe fährt in verlassene Gegend, verfallenes Haus, abgelegen, Einheimische stellen sich als brutale, perverse sadistische Inzucht-Sippe heraus, Blut, Folter, Gemetzel, Tod, blabla, das alte Spiel) aber super umgesetzt, mit viel schwarzem Humor (der meiner Meinung nach das hysterische Gelächter des restlichen Kinopublikums, das den Saal leider beinahe in Bierzeltstimmung versetzt hat, weder angestrebt, noch verdient hat), wunderwunderbaren Kostümen und Kulissen im Fucked-Up-Redneck-Glamgoth-Midnight-Circus-Style (gleich Inspirationen für eine neue Kollektion gesammelt!) und wirklich netten Details in Story und so weiter. Einziger Störfaktor waren die Typen auf den Plätzen hinter uns, die jeden zweiten Satz laut wiederholen mussten, um dann noch lauter darüber zu lachen. Seriously?! Fuck you, wirklich!
Walk, walk! Fashion, Baby!
Danach kurze Toiletten- und Rauchpause, dann gleich zweiter Film: Rites of Spring. Hierzu möchte und kann ich nicht viel sagen. Supersuperdoof einfach. Zwei Handlungsstränge, die dann zusammenführen. Strang 1: Typ kindnappt Frauen, um sie an ein Monster unter seinem Stall zu verfüttern. Strang 2: Andere Typen kidnappen Kind reicher Eltern, wollen Lösegeld etc. Also wirklich wirklich absolut bescheuert. Ich glaube, ich bin sogar eingeschlafen zwischendurch.
Sie hängt blutend von der Decke und sieht trotzdem gut aus.
Die Blonde rechts im Bild ist nicht die Blonde von oben. Glaube ich. Kann mich aber auch nicht mehr an diese Szene erinnern, habe vermutlich geschlafen.
Um etwa vier Uhr konnten wir dann endlich nach Hause und waren so müde und vollgefressen, dass wir sogar trotz Horror-Overload supergut einschlafen konnten.
(Benjamin Quirico)
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Die weiteren Berichte über Filme und das /slash filmfestival stammen dann ab jetzt übrigens vor allem von unserem – oben schon erwähnten – “Mann für Film” Kris, der auch für unser Printmagazin schreibt und supertoll mit klasse Fachausdrücken, die keiner kennt und Tausenden von Namen (die auch keiner kennt) um sich werfen kann. Dafür versteht er wohl auch wirklich etwas von dem ganzen Filmzeugs und auf seine Meinung ist wahrscheinlich dann eher Verlass als auf unsere. 
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Kris hat sich für uns Chained angesehen. Inklusive Vorfilm (es heißt anscheinend wirklich so!). Hier seine Eindrücke, gespickt mit Ausdrücken, die keiner kennt:  
Chained
Jennifer Chambers Lynchs neuer Film Chained feierte am Mittwoch am Slash seine Premiere. Was auf den ersten Blick wie ein typischer Genrefilm aussah, erwies sich als brutales Psychodrama und Kammerspiel mit Horrorelementen, dessen größte Stärken leider erst im letzten Drittel lagen.

Als Vorfilm gab es den bildgewaltigen und mit einem Euro-Synthie-Score perfekt untermalten Neo-Giallo Yellow, der mit seinen 26 Minuten jedoch eine Spur zu lang und repetitiv war und aufgrund der unausgewogenen Tonmischung während mancher Szenen einige Zuseher dazu zwang sich ihre Finger in die Ohren zu stecken. Trotz der kleinen Mängel bekam diese gelunge Hommage an Argento, DePalma und Bunuel trotzdem den Applaus den sie verdient hat.

Aua! (Pressebild. Links – Storyboardskizze. Rechts – Movie Still)
Schon beim Vorspann von Chained war ich bereits skeptisch. Die Schrift sah aus als wär sie vom Schnittassistenten in der Mittagspause mit Word eingefügt worden, bis mich ein Zuseher aus der Reihe hinter mir mit der Bemerkung „Heast, schau! Die Schrift ist verchromt!“ unweigerlich aufgeklärt hat. Ok, passt, einverstanden!
Der böse Mann tötet die unschuldige Frau…
 Der Film fängt relativ konventionell an. Eine liebevolle Mutter und ihr neunjähriger Sohn werden von einem misogynen Taxifahrer entführt, der offensichtlich die Inkarnation des Attributes „fatstrong“ darstellt. Nachdem die Mutter kurz darauf das Zeitliche segnet, gewöhnt sich der kleine Sohn relativ schnell an das Waisenleben und wird daraufhin von seinem Peiniger nur noch „Rabbit“ genannt. Angekettet in dessen abgelegenem Haus ist er als Mädchen für alles, hauptsächlich für die Zufriedenheit des Frauenmörders verantwortlich und die beiden entwickeln eine morbide Vater-Sohn-Beziehung.
… und kettet den armen Jungen an. Daher wohl auch der Titel des Films.
Neun Jahre später beschließt unser, mittlerweile ein bisschen lieb gewonnener, Misogyn aus Rabbit einen „richtigen“ Mann zu machen und ihm eine Frau zu besorgen. „Nothing like the taste of a woman“ heißt es. Der zwischen Stockholm-Syndrom und Empathie hin- und hergerissene Rabbit fängt langsam an, sich gegen seine Vaterfigur aufzulehnen und nach 50 Minuten, die zwischen Schockmomenten und unfreiwilligem Humor pendeln, als Rabbit seinem ersten Opfer gegenüber steht, hat uns die Regisseurin endlich genau dort wo sie uns haben will. Doch leider driftet die Story gegen Ende in Klischees ab und Lynch packt zum Schluss noch einen finalen Twist drauf, der emotional zwar nochmal einen Gang höher schaltet, jedoch ziemlich gehetzt und unausgewogen wirkt.
Der Bub ist jetzt erwachsen und wahrscheinlich heterosexuell.
Chained ist kein durchwegs gelungener Film, aber auch viel zu eigen in seiner Thematik und zu brutal in seiner Konsequenz, um als Durchschnitt bezeichnet zu werden. Besonders die ungewöhnlich makabren Inszenierungen der beiden Hauptdarsteller Vincent D’Onofrio und Eamon Farren stechen hervor. Aber es ist sicher Jennifer Lynchs bester Film bis jetzt und der erste Schritt aus dem Schatten ihres Vaters in ihre eigene, dunkle Filmwelt.
(Kris Machtlinger)

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